InHerzenssachen, HerzMami

Guten Morgen, Sonnenschein!

Viel gemeinsame Zeit, Geduld, Nähe, Ruhe, Kommunikation, Struktur & Selbstwirksamkeit – das ist mein ganz persönliches Rezept für eine gelungene Morgenroutine. Als starkes Team in den Tag zu starten, stärkt die Bindung & schafft Geborgenheit. Das A und O: die richtige Mischung aus Verlässlichkeit & Flexibilität, um die Bedürfnisse aller möglichst gut vereinbaren zu können.

Bleiben wir realistisch – jeder Morgen läuft ein bisschen anders ab. Mal haben wir oder unsere Kinder gut geschlafen, mal zu wenig, es stehen aufregende Termine oder das Wochenende an. Eine grundlegende Routine, die alle abholt, ist jedoch sehr hilfreich, damit sich jeder eingebunden und sicher fühlen kann und auf diesem Wege von Beginn des Tages an zu einer positiven Haltung eingeladen wird.

Kinder haben von Natur aus große Lust auf den Tag. Sie starten oft mit großem Tatendrang und ihrer unbändigen Lebenslust. Und diese Einstellung gilt es nicht nur zu erhalten, sondern wir Erwachsenen können uns eine große Scheibe davon abschneiden. Verlässliche Ankerpunkte helfen auch uns, strukturiert und ohne Stress eine starke Grundlage für einen guten Tag zu schaffen. Wenn wir gut beobachten, welche Signale uns unser Körper, unsere Kinder und Partner schenken, können wir gemeinsam eine schöne Abfolge aller morgendlichen Notwendigkeiten gemeinsam beraten und festlegen. Wer noch nicht reden kann, benötigt aufmerksame Übersetzer, damit auch seine Bedürfnisse einfließen können. Daher brauchen vor allem die Kleinsten viel Achtsamkeit.

Da eine Morgenroutine so individuell wie jede Familie ist, werde ich dir kein Patentrezept geben können. Aber ich kann dir einen kleinen Einblick in unsere Anläufe mit einem zweijährigen Kleinkind hier zuhause und in meine Ideen dazu ermöglichen und dir Tipps verraten, die uns ganz besonders gut helfen, entspannt zu bleiben. Es wird auch wenig helfen, alles mit entsprechenden Studien zu belegen, denn keine Studie kennt dein eigenes Kind so wie du. Damit das Vorhaben gelingt und ihr eine gemeinsame, harmonische Routine entwickeln könnt, musst du dein Kind und alle übrigen Familienmitglieder aufmerksam begleiten, beobachten, ausprobieren und dich mit ihnen austauschen. Jede Routine lebt und verändert sich dabei, wie auch wir uns und unsere Umstände sich verändern – bleibt also dran und erschafft euren Morgen immer wieder passgerecht.

Das Aufwachen

Wenn mein Kind aufwacht (schläft mittlerweile im eigenen Zimmer – das andere noch in meinem Bauch), kommt es entweder mit seinem Kuschelkissen zu mir und wir genießen und kuscheln die ersten Minuten des Tages gemeinsam in absoluter Ruhe und Nähe, bis nach und nach das Bedürfnis entsteht, sich über die nächtlichen Träume oder ersten Eindrücke und Gedanken auszutauschen. Wenn ich schon früher meine Augen aufschlage und bemerke, mein Kind wird langsam wach, gehe auch ich gern ans Bettchen und wir starten in Ruhe, Nähe und Austausch dort, bis es von selbst den Impuls hat, sich zu lösen und aufstehen zu wollen. Diese Zeitspanne ist natürlich nicht planbar – benötigt mal mehr und mal weniger Zeit, aber jede Sekunde ist es wert, seine Sinne langsam im Tag ankommen zu lassen, feinfühlig für das Gegenüber zu werden, sich von starken nächtlichen Eindrücken zu lösen und die Bindung wieder aufzunehmen.

Das erste Frühstück

Mit der gleichen empathischen Richtung geht es bei uns sogleich weiter. Ich bereite uns allen Gläser mit Wasser oder Milch vor und wir sitzen gemeinsam mit dem Blick über die Terrasse hinaus ins Grüne zusammen auf dem Teppich, füllen die Wasserreserven wieder auf und genießen zusammen den wunderschönen Blick, bemerken die Veränderungen der Natur, die Farben und Stimmungen. Wer reden möchte, der redet. Wer in Stille verweilen mag, sitzt einfach dabei und geht seinen eigenen Gedanken nach. Manchmal werden hier schon die ersten Ideen geboren, was man mit diesem Tag am besten anfangen möchte oder das Anstehende kommt langsam in den Fokus.

Betten & Zimmer auf den Tag vorbereiten

Bei uns gehört es eben einfach dazu – wir machen unsere Betten und räumen Trinkflaschen, Nuckel, Schlafanzug und sonstige Gegenstände weg, die wir für die Nacht gebraucht haben. So schaffen wir Platz für den Tag und verabschieden uns ganz bewusst von der Nacht. Eine „Schlafbrücke“ meines Kindes ist es, Gegenstände unter das Bett zu räumen, die mit ihm in den Schlaf finden sollen, damit es sich nicht allein fühlt. Auch diese Gegenstände werden nun liebevoll in den Tag begrüßt und laden zum neuerlichen Spielen ein.

Das gemeinsame Anziehen

Gemeinsam suchen wir nun passende Anziehsachen aus, die dem Wetter und unserer Stimmung entsprechen. Wie gut, dass wir schon einen achtsamen Blick nach draußen geworfen haben, denn mit diesen gemeinsamen Eindrücken lässt sich unser Kind helfend bei der Suche beraten, wenn es doch mal die kurze Hose im schneereichen Winter gewählt hat. Was wir jetzt zur Begründung heranziehen, hat es eventuell sogar schon selbst bemerkt und wir helfen, seine Sachenwahl mit seinen Wahrnehmungen zu verknüpfen. So lernt er ganz nebenbei, welche Sachen zu welcher Witterung passen könnten. Und wenn es mal doch nicht klappt, dann lassen wir auch gern mal ausprobieren – aber bitte ohne die Gesundheit zu gefährden! Wir schmecken also ab, wie viel Steuerung hier nötig ist und wie viel Freiraum man gewähren kann und vielleicht sogar Lernanreize beinhaltet.

Eltern im Badezimmer

Wir verabschieden uns nach dem Anziehen unseres Kindes ins Badezimmer. Es hat nun die Wahl, ob es erst noch bei uns bleibt und sich an seinem eigenen Waschtisch frisch machen möchte oder ob es Beschäftigungen mit seinem Spielzeug nachgeht. Oft ist es eine Mischung und es kommt immer wieder mit Spielzeugen ins Bad, erzählt uns etwas oder lässt uns in seinem Spiel interagieren. Hier erachte ich es als besonders wichtig, immer in Kontakt zu bleiben – das kann auch bedeuten, dass wir uns in Ruhe im Bad fertig machen, während unser Kind für sich sein möchte. Bindungsorientiert aufwachsende Kinder sind jedoch sehr gesellig und binden ihr gesamtes Umfeld gern in ihre Aktivitäten ein. Das heißt für uns, dass wir eben auch mal unsere Tätigkeit unterbrechen und immer ansprechbar und aufmerksam bleiben. Die Zeit im Bad haben wir auch immer in Abhängigkeit des Alters unseres Kindes gestaltet. Am Anfang waren es 5 Minuten – jetzt schon mal 15 bis 20.

Tisch decken, Frühstück & Abräumen

Wenn dein Kind gleich nach dem Aufstehen von großem Hunger geplagt ist, solltest du damit nicht so lange warten. Wir decken meist gemeinsam den Tisch und nach beendeter Mahlzeit auch wieder ab. Unser Kind beteiligt sich dabei freiwillig und wir bieten ihm Gelegenheiten, das zu erledigen, was es schon erledigen kann. Platzdeckchen aussuchen und auf den Tisch legen. Teller tragen, Tassen verteilen, Besteck hinlegen. Je nach Alter wachsen die Wünsche und Möglichkeiten mit, einen verheißungsvollen Esstisch zu gestalten. Auch bei der Wahl der Speisen entscheiden bei uns alle mit, wobei wir ein Auge darauf haben, ab wann eine Phase sich so weit ausdehnt, dass sie in eine ungesunde Gewohnheit umschlägt. Auch hier sind Fingerspitzengefühl, Geduld und gute Argumente gefragt, um das Kind nicht blindlinks zu überreden, sondern ihm so zu erklären, dass es verstehen und aus eigener Überzeugung handeln kann. Auch uns regt es zum Nachdenken an, aus welchen Gründen das Kind vielleicht gerade nur Milch trinken mag. Dann könnte man sich informieren, was in der Milch steckt, was das Kind gerade vielleicht vermehrt braucht und auch in anderen Speisen finden könnte.

Zähneputzen

Klar – Zähne putzen nach dem Essen gehört zum Morgen dazu. Wir putzen gemeinsam und haben viel Spaß dabei, gegenseitig die Zahnbürste zu führen, mit einer Handpuppe Quatsch zu machen, die Zähne zu zählen, Grimassen mit dem Schaummund zu formen und anschließend die Zahnbürste gründlich unter dem Wasserstrahl selbständig abzuspülen und den Mund zu reinigen. Ist alles erledigt, platzt unser Schatz meist fast vor Stolz und freut sich schon auf das nächste Mal.

Wer sein Kind zuhause betreut, der startet nun mit dem alltäglichen Plan, andere ziehen sich jetzt gemeinsam für den Kindergarten oder die Tagesmutter an, um das Haus zu verlassen. Was auch immer sich an den Morgen anschließt, kann nach einer gelungenen Morgenroutine voller Freude angegangen werden.

Was du allgemein tun kannst, um euren Morgen liebevoll zu gestalten:

  • viel kuscheln oder andere Formen der Nähe zulassen
  • ungeliebte Tätigkeiten mit Liedern und Handpuppen freudiger gestalten
  • Wahlmöglichkeiten lassen (Aber Achtung: zu viel kann überfordern!)
  • Entscheidungshilfen anbieten und begründen
  • Strukturhilfen, die zu Selbstwirksamkeit einladen (Morgenroutine als Piktogramme an einer Magnettafel o.Ä.)
  • immer ansprechbar & aufmerksam sein
  • möglichst flexibel reagieren
  • gelassen und geduldig bleiben – jedes Kind braucht seine Zeit
  • auch wenn es widersprüchlich erscheint: Routine immer neu anpassen (Es soll einen Rahmen bieten und kein Gefängnis sein!)

Fernsehen und Handy am Morgen?

Benutze deinen gesunden Menschenverstand und werde zum Experten beim Beobachten. Der Umgang mit modernen Medien ist ein Thema für sich und sollte auch dort seinen Platz finden. Daher reiche ich dir hier nur einen Impuls. Dein Kind mag beim Fernsehen oder Handy spielen zwar ruhig und zufrieden wirken, aber was geschieht danach? Ist es tatsächlich ausgeglichen? Bleibt es kommunikativ und selbst aufmerksam für seine eigenen Belange? Tut es Dinge im Autopiloten und ist am Ende unglücklich, weil es gar nicht mehr wahrnehmen konnte, was es wirklich wollte? Scheint es aggressiv? Reagiert es mechanisch? Löst es sich problemlos von den Medien und kann sich auch für „weniger fesselnde“ Aktivitäten begeistern?  Kann sein, muss aber nicht. Wenn wir lernen, kleinste Signale zu deuten, können wir unsere Kinder hilfreich begleiten, sinnhafte und guttuende Wege zu finden, ihre Bedürfnisse einzulösen und ihre Zeit kreativ zu gestalten – das gilt selbstverständlich nicht nur für den Morgen und auch nicht nur für den Medienkonsum.

Damit du noch mehr Ideen für Aktivitäten an der Hand hast, die dein Kind zur spielerischen Selbstbeschäftigung & Selbstwirksamkeit anregen, wenn du gerade alle Hände voll zutun hast, arbeite ich gerade an einem neuen Artikel. Freu‘ dich drauf!

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